Moskau: Putin nimmt Militärparade ohne Panzer und Raketen ab – Empörung über Selenskyjs „Genehmigung“
Wladimir Putin hat seine Truppen auf dem Roten Platz aufmarschieren lassen. Die Parade zum 9. Mai ist Machtgeste und Schwächezeichen zugleich: Was der Kreml wirklich fürchtet, zeigt sich in dem, was fehlt. Auf einen Seitenhieb von Präsident Selenskyj reagierte Moskau empfindlich.
Auf dem Roten Platz in Moskau hat die große Militärparade zum Tag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland mit Tausenden Soldaten begonnen. Kremlchef Wladimir Putin nahm die Parade – offenbar aus Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen – diesmal ohne Panzer, Raketen und Militärtechnik ab.
Der abgespeckte Aufmarsch mit weniger Gästen gilt auch als Symbol für die Lage in Putins seit mehr als vier Jahren andauerndem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Russland ist bei der Invasion zunehmend durch Gegenangriffe Kiews unter Druck. Die Kämpfe stecken in einer Sackgasse.
Präsident Wladimir Putin sagte in seiner Rede zum 81. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg, dass die russische Armee in der Ukraine gegen „aggressive“, von der Nato unterstützte Streitkräfte kämpfe. Die „große Leistung“ der Roten Armee im Kampf gegen Nazi-Deutschland inspiriere die heutigen Soldaten bei ihrem Einsatz in der Ukraine, fügte er hinzu. Moskaus Sache sei „gerecht“.
Geschützt wurde der Präsident bei dem öffentlichen Auftritt vor internationalen Gästen durch ein extremes Sicherheitsaufgebot. Auch das mobile Internet ist abgeschaltet.
Überraschend hatte US-Präsident Donald Trump eine zwischen Kiew und Moskau vermittelte Waffenruhe und den geplanten Austausch von 1000 gegen 1000 Kriegsgefangene bekanntgegeben. Die Waffenruhe gilt demnach bis 11. Mai. Am Morgen gab es zunächst keine offiziellen Berichte über mögliche Verstöße gegen die Vereinbarung.
Russland hatte zuvor selbst wegen des Tages des Sieges über Nazi-Deutschland eine Einstellung aller Truppenbewegungen vom 8. bis 10. Mai angekündigt. Allerdings gab es weiter Kämpfe und Angriffe.
An der Parade nehmen auch Soldaten der russischen Invasion in der Ukraine teil. Eine Staffel russischer Kampfflieger, die den Himmel mit den Farben der russischen Flagge koloriert, soll den Abschluss bilden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor mit seinem am Freitag veröffentlichten Dekret zu seiner „Genehmigung“ der Militärparade Kritik geerntet.
„Wir brauchen von niemandem eine Erlaubnis“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow dem russischen Staatsfernsehen vor Beginn der Parade. „Wehe dem, der versucht, sich über den Tag des Sieges lustig zu machen und solche dummen Witze zu reißen“, sagte er. Peskow bezeichnete es zudem als „großes Unglück“ für Selenskyj, dass er sich so verhalte.
Selenskyj hatte einen Erlass „Über die Durchführung einer Parade in Moskau“ mit den Koordinaten des Roten Platzes veröffentlicht, die von ukrainischen Angriffen ausgenommen werden sollen. Das Dekret ging einher mit einer von US-Präsident Donald Trump vermittelten Waffenruhe, die bis 11. Mai gelten soll.
Bis zum Morgen gab es keine offiziellen Berichte über Verstöße gegen diese Vereinbarung.
Die Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 in Berlin fiel in Moskau schon in die frühen Morgenstunden des 9. Mai. Deshalb begeht Russland immer zu diesem Datum den Tag des Sieges. Die Rote Armee verzeichnete in den Kämpfen des Zweiten Weltkriegs den Tod von geschätzt acht bis elf Millionen Soldaten.
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